Montag, 17. März 2014

Absolutismus 2014


Stundenbeginn. Die üblichen Verdächtigen kommen verspätet zum Unterricht, setzen sich ebenso gewohnt auf die falschen Plätze, auch Nadine. Sie hat heute mal ein Stück Kuchen aus der Cafeteria mitgebracht. Natürlich war sie dadurch zu spät gekommen, aber das manchen ja alle so. 

Grundsätzlich sind in Diskussionen mit Schülern immer ALLE anders als es ein Lehrer darstellt, es herrscht quasi ein demografischer Absolutismus der Einigkeit: „ALLE Lehrer lassen es durchgehen, wenn ich zwischendurch auf mein Handy gucke, nur Sie nicht“ oder „... ALLE haben gesagt, dass letzten Montag die 8. Stunde ausfällt, woher soll ich denn da wissen, dass das nicht stimmt? Und außerdem ... alle wussten das, warum machen Sie mich jetzt an?“ oder auch umgekehrt „KEIN Lehrer sagt was, wenn wir unser Essen mitbringen, nur Sie machen hier wieder so einen Aufstand.“
Herr Krüger schämt sich: „Oh, Nadine, das habe ich nicht gewusst, dann hab ich das wohl falsch verstanden. Ich dachte, das sind Arbeitstische in den Klassen, weil ich bisher nur runde Bistro-Tische gesehen habe. Aber dann ist das wohl mein Fehler, ich bitte vielmals um Entschuldigung, dass ich dich angesprochen habe. Wenn du möchtest, besorge ich dir noch schnell eine Kuchengabel aus dem Lehrerzimmer, ich glaube, da liegen noch welche. Warte kurz ..."
Herr Krüger verlässt den Klassenraum und kommt wirklich mit einer Kuchengabel zurück. „Hä?“ Nadine versteht die Welt nicht mehr. „Was soll denn der Scheiß jetzt? Sie können mich doch ganz normal essen lassen wie ALLE anderen auch ...!?“
„Hä? Wollen Sie mich verarschen?“ Nadine weiß nicht mehr ein noch aus und stellt die Frage zur allgemeinen Diskussion, da an Unterricht eh nicht zu denken ist, weil sie so einen Aufstand mit ihrer Kaffeetafel macht. Zwei, drei clevere Schüler – sie dürften als Schleimer oder Streber verrufen sein – erklären, sie sollte doch einfach ihren Kuchen einstecken. Nadine – bekannt durch ihren grundsätzlich zickigen Ton – blufft zurück: „Aber wohin denn? Was soll ich denn machen? Die pure Verzweiflung steht in ihren Augen geschrieben ...
Herr Krüger mischt sich wieder ein und sagt: „Aber nein, Nadine, mach dir keine Sorgen! Iss ganz in Ruhe und ihr anderen, stört sie nicht, wir sind hier schließlich zum Kuchenessen, nicht? Wofür auch sonst! 
Und vergesst nicht: ALLE machen das so!“

Freitag, 24. Januar 2014

Die 1002. Handygeschichte

Es geschieht nun schon eine ganze Weile, dass Herr Krüger Handys einzieht und den Zorn der Schülerinnen und Schüler ertet, wenn er zusieht, wie ungeschickt diese Halbstarken auf ihren Lebensmittelpunkt schielen, während sie glauben, dass es keiner merkt. 
Das geht so Tag ein Tag aus: Handy aus der eigenen Tasche - Handy in die Lehrertasche, SIM-Karte raus, SIM-Karte rein, Vernunft vermeintlich rein in den Kopf - Vernunft merkbar raus aus dem Kopf. Schüler freundlich vor dem Bittgespräch mit dem Lehrer am Lehrerzimmer - Schüler unfreundlich nach dem erfolglosen Gespräch mit dem Lehrer am Lehrerzimmer.

Doch stop! - Das war neu!

Marco hatte sich im Unterricht schlichtweg geweigert, sein Telefon rauszugeben, nicht nur Minuten später, auch noch Stunden, sogar Tage später. Alles Betteln und Flehen, nicht einmal Drohen von Seiten Herrn Kürgers hatte geholfen. Marco ist stur wie ein Esel. Herr Krüger droht das ganz große Maßnahmenpaket an. Und, wie Esel nunmal so sind - stur, uneinsichtig und dumm - wählt Marco die Variante II: das ganz große Maßnahmenpaket. Dies hat Herr Krüger nun richtig voll gepackt: Extra-Arbeiten, Nachsitzen und und und. Aufgabe eins funktioniert, wenn auch natürlich voller Fehler und Defizite. Woher sollte es auch kommen. Aufgabe zwei wird schon gar nicht mehr abgeliefert, Aufgabe drei irgendwie auf den Zettel gerotzt und Aufgabe vier ... nie gesehen. 
Dennoch scheint das Paket eine gewisse Wirkung zu zeigen oder doch nicht? Nach der dritten Aufgabe nämlich kommt der kleine störrische Marco an und schlägt einen Deal vor: 

Er holt ein Handy aus der Tasche, will damit Einsicht simulieren und so das lästige Maßnahmenpaket loswerden. Nur - Herr Krüger ist mit allen Wassern gewaschen, die Rechnung geht nicht auf, denn er verlangt, dass Marco das Handy erst einmal anschaltet, bevor er es abgibt ... Die Antwort von Marco war dünn - sehr dünn. "Ähm, nein, das geht nicht, der Akku ist gerade alle, aber ich gebe ihnen das Handy ja jetzt ..." Es gibt nicht viel drumherum zu reden, Marco hat's natürlich verbaselt. Herr Krüger durchschaut ihn binnen Sekunden und erkennt, dass Marco sich mit einem falschen Handy freikaufen wollte. 

Mensch, Kids, seufzt Herr Krüger, denkt euch doch endlich mal was aus, was überzeugt, dann könnte ich auch mal was dazulernen und vielleicht sogar darüber heimlich grinsen. Aber so ...

Dienstag, 26. November 2013

Wenn die Hosen auf Halbmast stehen

Anton hat wirklich alles versucht! Er ist klein, o-beinig, unauffällig ... das ist schon alles schlimm genug, aber dann auch noch Leistung bringen? Wie mühselig. 

Anton hat sich deshalb überlegt, möglichst unauffällig durch den Schulalltag zu rutschen. Dafür ist es natürlich praktisch, dass er so klein ist. Zudem fällt er selten durch hektische Armbewegungen auf, weil seine Hände quasi 23 Stunden am Tag in den Hosentaschen festgewachsen zu sein scheinen. Ob er sitzt, ob er steht, ob er etwas präsentiert ... seine Hände findet man in seinen beiden Hosentaschen. Manchmal wird es dabei dann schon schwierig, die üblichen Alltagsbewegungen, bei denen die Hände unabdingbar sind, in der einen Stunde unterzukriegen. Zum Glück ist seine Tante auf die verrückte Idee gekommen, ihm eine Schlafanzughose mit Hosentaschen zu nähen. Eigentlich findet Anton die Idee gar nicht so verrückt, irgendwie praktisch, dass er dadurch auch nachts die Hände dort verstecken kann. Nur - diese Schlafanzughose darf niemand sehen, Tante Regine hat nämlich ärgerlicherweise so einen geblümten Stoff für die Aufnäher benutzt, OmG (Oh, mein Gott [für Ahnungslose, die des Subdeutschen nicht mächtig sind]), na ja, es darf halt nie jemand sehen ... 

Aber zurück zur Unauffälligkeit. Also, Anton hat sich vorgenommen, nicht aufzufallen. Das gelingt ihm auch in den meisten Fächern und Situationen. Leider aber war er nicht clever genug, den Putzdienst zu erledigen - und das fiel auf: Minuspunkt!

Und - er hatte sich so schön gedacht, nicht aufzufallen, wenn er einfach während der Mittagspause das Gelände verlässt und sich was zu Essen an der Bude am Bahnhof holt. Doch - wieder dumm gelaufen, denn er wurde gesehen! Natürlich ist sein Klassenlehrer Herr Krüger wieder über alles informiert und spricht ihn an - wie nervig. Na ja, mal sehen, was der Krüger zu sagen hat. Anton hört sich das eine Weile an, erklärt Herrn Krüger dann noch, dass es eigentlich positiv war, etwas zu Essen zu kaufen, weil er sich so - mit vollem Magen - besser konzentrieren könne ... von wegen!? Anton lässt eine Weile Herrn Krüger reden, bis er beschließt, einfach zu gehen. "Herr Krüger redet noch? Egal - ich geh einfach", denkt er sich, schiebt die Hände, die er für das Gespräch überflüssigerweise aus den Hosentaschen nehmen musste, wieder tief in selbige und verzieht sich in seine Ecke. Ach so: "Herr Krüger, ist ja gut jetzt, ich hab keine Lust mehr auf ihr Gelaber ..."

SCHEISSE - Nachsitzen!

Montag, 25. November 2013

Spielball

Herr Krüger ist ja nun wirklich ein leidgeprüfter Mann. Als Klassenlehrer zählt er sich auch nach drei Jahren Erfahrung mit seiner Klasse immer noch nicht zu den Bauern, die nach dieser langen Zeit der Bemühungen, Strapazen und Unzulänglichkeiten dann letztlich doch irgendwann einmal Früchte ernten können - leider. 

Er hat gekämpft, sich um Transparenz, Fairness und Entgegenkommen bemüht, aber nein. Gnadenlos sträuben sich die Schülerinnen und Schüler gegen jedwede seiner Bemühungen. Eigentlich ist es noch mehr. Nicht nur, dass die Schüler sich nicht an seine Anordnungen halten, immer häufiger und immer mehr Schülerinnen und Schüler erklären ihm, wie er es richtig macht, welche Optionen er noch hat. Sie verbessern ihn, weisen auf jeden seiner Fehler hin, sei es pädagogischer Art, wenn er doch problemlos die Schüler hätte nach Hause gehen lassen können, oder auch in Sachen Orthografie oder Interpunktion. Er wird hin- und hergeschubst wie ein Spielball, das Blaue wird vom Himmel runtergelogen, Hauptsache, die Kids bekommen ihren Willen, ihr Handy oder ihre Freizeit.

Mittlerweile ist es so weit, dass Nadine, die definitiv in der obersten Liga der Nachwuchsdiven ("Diven" ist übrigens die Mehrzahl von "Diva", dem italienischen Wort für "Göttin") rumzickt, Herrn Krüger nicht nur mit hasserfüllten Blicken straft, sondern ihm auch noch vorwurfsvoll eine Szene macht, wie er es wagen könne, eine angekündigte Klassenarbeit zu schreiben, während die Schülerinnen und Schüler der Parallelklassen wegen eines kurzfristigen Termins bereits früher Schulschluss haben. Geschieht solch eine Situation, ist die Stunde für Diva Nadine eigentlich gelaufen. Sie macht fortan ihre eigenen Regeln, setzt sich selbstständig um, sucht sich selbstständig ihre Aufgaben - ungeachtet der Anordnungen von Herrn Krüger.

Als die Stunde endlich vorbei ist und die Strafe, etwas lernen zu dürfen, vorbei ist, bleibt das Bild einer mittleren Verwüstung zurück. Für Sauberkeit fühlt sich sowieso kein Schüler zuständig, die benutzten Stühle bleiben da stehen, wo man aufgestanden oder auch mal ein Stuhl umgefallen ist und Arbeitsblätter ... wer braucht schon Arbeitsblätter. Also: runter damit auf den Fußboden, irgendein Depp wird sie schon aufheben ...

Dienstag, 22. Oktober 2013

Da war doch noch was von 'nem Apfelbaum ...

Jederzeit ist Narrenzeit, hat Clara beschlossen. Herr Krüger hat von Claras Einstellung leider schon diverse Kostproben bekommen. Clara macht gerne nur das, wozu sie gerade Lust hat. Alles andere ist ihr egal. Lehrer - für mich doch kein Problem, protzt sie daher. Sie doch nicht!?

Als neues Spiel hat sie sich daher überlegt, Herrn Krüger zu provozieren, so oft sie kann. Ausreden erfinden konnte sie schon immer gut, auch für nicht mitgebrachtes Material. Sie hat eine Überzeugungskraft, dass sie selbst manchmal staunt. Auch ihren Eltern gaukelt sie regelmäßig was vor, schauspielt wunderbar den kleinen verletzlichen Teenager. Dass sie mit ihrem Verhalten ohne Rücksicht auf Verluste regelmäßig die Leute verscheißert, findet sie gut so.

Herr Krüger hat natürlich eine andere Sicht auf die Dinge und kann nur immer wieder den Kopf schütteln. Appropos schütteln: Hier hat wohl jemand vergessen, den Baum zu schütteln, denn es scheint, als seien in Herrn Krügers Klasse die Äpfel nicht nur dich am Stamm gefallen, nein, sie scheinen noch am Baum zu hängen. 
Warum? Ganz einfach. Herr Krüger scheint die doppelte bis dreifache Anzahl an Schülerinnen und Schülern erziehen zu müssen. Zu Hause passiert das nur noch selten, zumal es doch viel leichter ist, das auf die Schule abzuwälzen und nur dann aktiv zu werden, wenn die dann so erziehen, wie es den Eltern gerade nicht gefällt. Hey ... Eltern, die waren doch auch mal in der Schule, die können doch mitreden. Die eigene Schulzeit vor 'zig Jahren erlebt zu haben, ist doch eigentlich genauso gut wie ein mehrjähriges Studium und zwei Staatsexamina. Konflikte sind da an der Tagesordnung und so hat sich der Lehrerjob hat verändert, er hat jetzt 30 Schülerinnen und Schüler und die je nach Scheidungsquote und Mitmisch-Interesse noch jeweils 60 einzelne oder eben doch noch verbandelte Eltern zu verarzten, zu beraten oder eben auch zu erziehen, ist ja schließlich Schulauftrag, die Erziehung. 

Oder ist Elternerziehung eine Überinterpretation der Lehrer? Haben die Lehrer vielleicht nur verpasst, sich an Entschuldigungen auf Post-it's anzupassen? Sehen sie es zu eng, wenn ihre Kinder mit Hotpants in die Schule kommen, die mehr zeigen als sie verbergen? Ist es nicht heute an der Tagesordnung und im Sinne der Gleichberechtigung nur fair, wenn die Jugendlichen die Lehrer anmachen, ihnen drohen oder zum Boykott gegen sie aufrufen? Clara findet das jedenfalls nicht so schlimm. Lehrer sind doch ein wunderbarer Puffer zu dem Stress, den Clara sowieso schon den ganzen Tag hat. Und insofern ... meine Eltern kann ich alles verkaufen, also: Es lebe die Dauerprovokation!

Verkehrte Welt

"Wie ist das eigentlich, wenn ich mal nicht mit einem Lehrer zufrieden bin", fragt sich Marco. Herr Schmidt-Hofer hat ihm noch nie sonderlich gefallen. Schon die Frisur ist voll scheiße - total altmodisch, findet Marco. Außerdem will der ständig was von mir. "Mach dies, mach das ... " macht der mich immer von der Seite an und wenn ich das aber nicht mache, weil ich keine Lust drauf hab, schreit der mich gleich an. Na gut, ich mach nie etwas, wenn ich keinen Sinn darin sehe, aber dann muss der doch nicht gleich so laut schreien ... Besserwisser!?!!

Letzte Woche war das wieder so, dass der mir so auf die Nerven gegangen ist. Und als der mich angegangen hat, hab ich natürlich zurückgemotzt ... wollte ich jedenfalls, aber der hat mich irgendwie nicht gelassen.

Aber, ich bin ja nicht dumm. Ich hab mir einfach das Klassenbuch genommen und den Spieß umgedreht. ICH habe IHN eingetragen. Ganz frech, einfach unten zu den Bemerkungen, wo wir sonst immer eingetragen werden. Da kann er mal sehen, ob er jetzt immer noch so cool ist. 

Mist! Ich glaub, da kommt noch was nach, ich hab sowas durchsickern hören, da werd' ich wohl noch was auf den Deckel bekommen, weil das Klassenbuch ja nun wirklich tabu für uns ist ...

Montag, 23. September 2013

Flugroute

Herr Krüger betritt die Klasse zum Wahlpflichtunterricht. Die Schülerinnen und Schüler sollen selbstständig arbeiten. Herr Krüger berät und führt die Aufsicht, als ihm Nadine auffällt, die mehrere Sekunden einen Papierflieger in der Hand hält, gezielt die Flugroute festlegt und das Flugzeug dann in Richtung Jungs wirft. Herr Krüger ermahnt Nadine, indem er ihren Namen ruft. Nadine hat für Herrn Krüger nichts weiter übrig als ein: "Hä, ich höre ihnen gar nicht mehr zu!" 

Damit ist für Nadine die Kommunikation beendet. So ist das nämlich heutzutage, die Schüler diktieren das Kommunikationsprotokoll und auch sie entscheiden, wann ein Gespräch endet. Herr Krüger zieht sich zurück, nachdem ihm wieder einmal seine Schranken aufgezeigt werden. Er ist ja auch selber Schuld, schließlich hätte er ja auch Bibliothekar werden können. Aber wenn er schon Lehrer wird, dann sollte er auch wissen, dass Schüler eben so sind. Auch das wissen sie nämlich sehr gut zu definieren. Schüler sind heutzutage so und da gibt es auch gar nichts dran zu rütteln! 
Tja, also die Bücher und vermutlich auch die Leser hätten sich so etwas jedenfalls nie erlaubt ...

Auskunftsbüro?

Herr Krüger kommt in die Schule. Er hat soeben das Gebäude betreten, hat noch seine Jacke an und die Taschen in der Hand. Justin hat ihn gerade zur Schulhaupttür reinkommen sehen, wendet sich ihm zu und spricht ihn noch im Eingangsflur an: "Herr Krüger, wissen Sie, ob Frau Brümmert in der nächsten Stunde da ist?
Herr Krüger zieht die Augenbrauen hoch und sagt nur: "Justin ...?!" Justin versteht die Welt nicht mehr: "Aber woher soll ich es denn wissen?" Herr Krüger lässt ihn stehen und ruft nur noch im Abgehen: "Überleg mal, warum ich dir nicht antworte ..."
Herr Krüger läuft zum Lehrerzimmer und denkt nur: "Ob wohl jemand das Gerücht in die Welt gesetzt hat, dass ich ein Auskunftsbüro bin ...?"

Dienstag, 27. August 2013

Arrogans

Herr Krüger hat mal wieder Ethik. Er unterrichtet klassenübergreifend Schülerinnen und Schüler aus mehreren Klassen. Die Jugendlichen aus seiner eigenen, inzwischen 10. Klasse kennt er ganz gut - viel zu gut, merkt er doch tagtäglich, dass ihr größtes Anliegen des Schulbesuchs das Dauerreden zu sein scheint - thematisch daran orientiert, möglichst alles zu tun, was grundsätzlich dem widerspricht, was verlangt wird bzw. Regel des Schullebens ist.
Anweisungen, still zu arbeiten, werden grundsätzlich überhört, zumal sie praktisch gar nicht umsetzbar sind. Schließlich ist der 'Schüler 2013' einer, der alles erst einmal hinterfragt, diskutiert und niemals unmittelbar hinnimmt. Obwohl Herr Krüger immer wieder ermahnt, in einer Stillarbeitsphase die Lippen geschlossen zu halten, scheint es nicht deutlich genug zu sein. Die Schülerinnen und Schüler wollen Herrn Krüger offensichtlich nicht verstehen. Hinweise, dass leises Flüstern dazu beitrage, dass alle besser arbeiten können und weitaus weniger gestresst nach Hause kämen, gehen komplett ins Leere.

In dieser Ethikstunde nun geschah Folgendes: Herr Krüger ging von Gruppe zu Gruppe mit dem hoch gesteckten Ziel, die Schülerinnen und Schüler beraten zu wollen. Aus diesem Grunde bat er in diesem Falle Marisa - mehrfach - während des Lehrer-Schüler-Gesprächs zu flüstern. Als echte Arrogans streckte sie aber nach ein zwei gescheiterten Versuchen ihre Nase in die Höhe und erklärte Herrn Krüger erst einmal, dass er Unmögliches verlange. Schließlich dürfe er das gar nicht. Herr Krüger war sprachlos und sah keine andere Möglichkeit, als die Gans gans in Ruhe im Stall zu lassen und nicht weiter Feder aufzuwirbeln, Marisa hätte es eh nicht verstanden. 

Als er nach dieser Stunde ins Lehrerzimmer ging und sich vorstellte, wie Marisa so später in die Ausbildung gehen und ähnlich ihrem Vorgesetzten gegenüber argumentieren würde, wurde ihm schwindlich ... 

Und die betroffene Gans selbst? Nun, Marisa fühlt sich natürlich voll im Recht. So ist das in gehobenen Wohnbezirken. Da hält man sich nicht an die Regeln; da fordert man; da zeigt man auf den 'Arro(w)' über dem Gänsestall!

Montag, 5. August 2013

Unerhört

Herr Krüger betritt die Klasse am ersten Tag nach den Schulferien, begrüßt seine Schüler, fragt nach den Ferienerlebnissen und kommt irgendwann auch zu den organisatorischen Dingen, die der Beginn eines neuen Schuljahres mit sich bringt. Herr Krüger hofft, dass die inzwischen zehnte Klasse in den Ferien einen Entwicklungsschub erlebt hat, waren doch VOR den Ferien zahlreiche Schülerinnen und Schüler dieser Klasse verquatscht, verspielt, unkonzentriert und noch alles andere als in der Reife anderer Klassen aus dem 10. Jahrgang. 

Nun also beginnt Herr Krüger mit seinen Ansagen, der schulinterne Umzug in einen anderen Klassenraum stehe bevor, Ämter müssten neu verteilt werden und auch der neue Stundenplan sei noch nicht bekannt. 
Eben dieses teilt Herr Krüger - er steht aufgerichtet vor der Klasse - mit: "Zum Thema Stundenplan kann ich euch gar nichts sagen. Ihr wisst ja, dass Frau Schmücker nur noch wenige Tage vor dem Ruhestand steht und nur noch diese Woche hier sein wird. Insofern kann ich euch zwar andeuten, dass wahrscheinlich Frau Krause-Marx den Mathematikunterricht übernehmen wird, aber da es noch keinen konkreten Plan gibt, kann ich euch zum Stundenplan wirklich keine verbindlichen Aussagen machen. 
Eifrig meldet sich Nadine: "Hä (natürlich besteht weiterhin das 'Hä-Phänomen'), aber haben wir denn dann wirklich jeden Tag nur sieben Stunden?" Herr Krüger ist fassungslos und murmelt nur: "Nicht schon am ersten Schultag ..."