Freitag, 30. Januar 2015

Primaten an der Sekundarschule


„Herr Krüger ...“ „Guten Morgen, Anton ...“ „Ach ja, Morgen, wann iss heute Schluss?“ Das kann doch nicht wahr sein, dachte Herr Krüger, das Fußballturnier hatte noch nicht einmal angefangen und schon fragten die ersten Schüler nach dem Veranstaltungsende. „Um 17 Uhr, Anton ...“ „Ja, jaaaa ...“ Offenbar hatte er gemerkt, dass seine Frage nicht so besonders clever gestellt war und so machte Anton auf dem Absatz kehrt und stürmte auf ein paar Jungs aus seiner Klasse zu, die gerade eintrafen. Aber als hätten sie sich unbemerkt verabredet, löste sich der nächste aus der Gruppe, steuerte auf mich zu und begann ... „Herr Krüger ...“ „Guten Morgen ...“
Nun ja, das Spielchen begann von Neuem bis sich die wilde Horde Richtung Umkleideraum bewegte und sich in ihren Sportdress warf. Herr Krüger nahm die Tribüne in Augenschein, um die Anwesenheit seiner Schäfchen zu prüfen bis auch dort zwei Mädchen auf ihn zustürmten und „Herr Krüger ...“

Im Laufe des Spieles konnte Herr Krüger Verhaltensweisen beobachten, die ihn jedoch eher an einen Stamm wildgewordener Gorillas als an eine zivilisierte Schulklasse eines bildungsnahen Bezirks erinnerten. Na gut, fünf andere Stämme waren auch gerade in diesem Areal, aber dennoch: Herr Krüger wurde Zeuge ethologischer Verhaltensweisen, die Jane Godall zweifelsfrei der Kategorie „Imponiergehabe“ zugeordnet hätte. So hatte sich z. B. der Leitgorilla der Nachbarklasse – eindeutig ein selbsternanntes Alpha-Tier – einen Schlachtruf überlegt, der seinesgleichen suchte und den seine Horde kurz vor Anpfiff zu hören bekam. Spätestens jetzt zeigten sich die deutlichen Anzeichen gorillahaften Verhaltens, weil das Geschrei besser wahrzunehmen war als irgendwelche Artikulationen, die auf einen inhaltlichen Sinn schließen ließen. Hauptsache laut Hauptsache gebrüllt – das schien die Devise.
Wieder andere Schüler sprangen wie überkandidelte Primaten auf den Bänken des Ranges herum, dass nur noch Lianen gefehlt hätten, um das Bild eines Dschungelszenarios entstehen zu lassen. Und einen Primaten zu bändigen ist ... eigentlich ebenso unmöglich wie dieses mit einem Teenager zu tun, dessen gesamter Steuerungsapparat umgebaut wird. Sinnvolles, geordnetes und diszipliniertes Verhalten zu erzielen ist hier eigentlich ein eher hoffnungsloses Unterfangen.

Herr Krüger, entzog sich mit dem Gedanken, doch einmal zu gucken, wo die übrigen Beta-Männchen geblieben waren und fand diese im warm-stickigen und muffigen Umkleideraum, den diese offenbar als gemütlich empfanden. Dabei war es ja nicht so sehr der Geruch jugendlichen Schweißes dreier Klassen, der sich hier mischte, aber dieses Beißen in den Augen machte Herrn Krüger doch schon zu schaffen. So warf er die Bande kurzerhand raus, öffnete gegen das explosive Gasgemisch zumindest ein Kippfenster und verließ den Raum schnellstmöglich wieder. Auf der Treppe zur Tribüne umgab ihn von einer Sekunde zur nächsten ein Getümmel Halbstarker, die unmittelbar aus den Revierkämpfen gekommen waren und demzufolge frische, intensive Gase ausstießen. Dann entdeckte Herr Krüger im Tumult noch eine Horde Stammesweibchen, die nun wieder ganz andere Geruchsnuancen ins Spiel brachten ...

Jeder Parfumier hätte sich dieser Strapaze entzogen, aber Herr Krüger und seine Kolleginnen und Kollegen hielten wacker durch bis die verschiedenen Rudel das Weite suchten und in ihre Heimatgefilde zurückkehrten. Dennoch wussten sie alle, der Aufmarsch der Primaten würde sich wiederholen ...

Donnerstag, 22. Januar 2015

Arbeitsmarkt Schule



Im Laufe seiner Dienstjahre und Schulwechsel hat Herr Krüger viel erlebt, natürlich auch mit Telefonen - Mobiltelefonen. Damals musste er deshalb noch kein gesondertes Seminar besuchen oder eine Fortbildung belegen, heutzutage denkt man darüber nach, die Lehrerbildung um diesen Zweig zu erweitern.

Natürlich hat - nein musste - sich Herr Krüger auch mit dieser Problematik auseinandersetzen. Erste Fälle des Missbrauchs von Mobiltelefonen wurden bekannt, dann ging es rasant weiter und die Zahl der Vorkommnisse schnellte exponentiell in die Höhe.

Verrückte Dinger, diese Mobiltelefone, neudeutsch: Handys. Was die nicht alles schon ausgelöst und für Zeit gekostet haben in der Schullandschaft. Und dennoch scheint es immer noch ein Stückchen weiter zu gehen, noch ein Quäntchen schlimmer werden zu können. Der Indikator dafür? Jugendliche natürlich, wobei ... eigentlich merkt man es auch schon an den Kindern, denn das Handyeintrittsalter sinkt und sinkt – kongruent zur sozialen Kompetenz, wenn man diese mal als Fähigkeit definiert, sich von Angesicht zu Angesicht über einen gewissen Zeitraum zu unterhalten, ohne ein Handy dabei zu benutzen.

Dass immer mehr Schulen vor der Handyflut resignieren, hat auch Herr Krüger erlebt. Dies ist gut nachvollziehbar, könnte doch eine Schule mit ca. 1000 Schülern problemlos fünf Lehrer dafür einstellen, Handys einzusammeln, zu etikettieren, zu sortieren, Elterngespräche zu führen und die eingezogenen Telefone den Eltern wieder auszuhändigen. Dafür bräuchte man dann, so rechnet Herr Krüger durch, noch einen Mobiltelefonelternausgaberaum, ein Archivierungssystem und vielleicht auch direkt noch eine Rechtsberatung nebenan für alle Eltern, die sich gerne darüber informieren möchten, ob die Schule das eigentlich darf. In der Rechtsberatung lägen selbstverständlich direkt Anzeigeformulare bereit, ein einzustellender Polizist könnte Anzeigen aufnehmen, das halbe Kollegium hätte 3-5 schwebende Verfahren am Hals, weil die Eltern es nicht akzeptieren können und auch nicht wollen, dass ein Lehrer es gewagt hat, das Eigentum des Kindes einzuziehen.

Eltern wollen, dass ihr Kind Recht bekommt, sie wollen, dass ihr Kind jederzeit uneingeschränkt auf sein Geburtstags- oder Weihnachtsgeschenk zugreifen kann. Sie wollen ihr Kind immer erreichen, jederzeit, also wirklich immer – auch im Unterricht, obwohl ... ja, doch, auch im Unterricht. Es kann doch nicht so störend sein, wenn ein Schüler maaaal auf sein Handy guckt. Mama wollte doch nur schnell fragen, was Prinzessin Nadin (seit man Namen offenbar in Lautschrift schreiben darf, schreibt man auch Nadin ohne ‚e‘ am Ende) zum Mittagessen möchte.

Ja, also Arbeit gäbe es genug, wenn man Mobiltelefone an Schulen verböte, wird Herrn Krüger klar. Aber wer bezahlt die hierfür zu schaffenden Arbeitskräfte? Die entsprechende Schulbehörde? Niemals. Wovon denn?



Allerdings könnte man einen anderen Topf anzapfen. Da Erwachsene keine Straßenschilder lesen können und deshalb falsch parken, wurde der Ordnungsdienst ins Leben gerufen. Warum eigentlich nicht auch einen Ordnungsdienst in der Schule - quasi als gesondert arbeitende Abteilung des offiziellen Ordnungsdienstes. Die könnten dann den Mobiltelefonelternausgaberaum besetzen, könnten Öffnungszeiten anbieten und nebenher vielleicht auch noch ein paar Experten einstellen, die die unzähligen, hoffnungslos zerstörten Displays der Smartphones reparieren, während die Eltern sich zum Abholen der Telefone aufmachen.

Eine gesondert geschulte Telefonistin könnte eingestellt werden, die Termine vereinbart bzw. Auskunft darüber gibt, ob ein Telefon bereits fertig ist (also komplett gewartet und überholt wurde) oder ab wann es bereitläge. Oder aber – man entwickelt eine Computersoftware, die die Telefonanlage bedient: „Guten Tag. Sie sind mit der Mobiltelefonelternausgabestelle verbunden. Ich helfe Ihnen dabei, möglichst schnell zum Mobiltelefon Ihres Kindes zu kommen. Benutzt ihr Kind ein Smartphone, drücken Sie die 1. Für alle anderen Telefone drücken Sie die 2 ...“



Und vor der Schule könnte man eine Kurzparkzone einrichten. Die dortige Parkdauer ist für eine viertel Stunde kostenlos, danach zahlt man die regulären Parkraumbewirtschaftungsgebühren. Wenn also Eltern bei der Gelegenheit noch eine Schimpftirade auf den Lehrer loslassen möchten, der es gewagt hat, das Telefon einzuziehen, müssten sie also auch ein Parkticket ziehen. Auch hier könnte der Ordnungsdienst wieder tätig werden und den Gebührenverweigerern ein Ticket unter das Wischblatt klemmen ...



Tolle Ideen, denkt sich Herr Krüger. Ich sollte vielleicht mal darüber nachdenken, das dem Arbeitsamt vorzutragen.

Montag, 19. Januar 2015

Eltern als Vorbilder? - Lieber nicht!

Herr Krüger wollte eine Klassenfahrt machen. Nein, er wollte eigentlich gar nicht, wurde aber von seiner Klasse unter Druck gesetzt, weil „alle eine Klassenfahrt machen“. Und was „alle“ machen, muss die 10.4 das natürlich auch tun. Überhaupt machen Schüler grundsätzlich alles, was alle machen! Ins Ausland soll es gehen, am besten fast nichts kosten, viel Freizeit soll es geben und wenn irgend möglich keine Regeln, maximal drei vielleicht, aber auch diese, so wünscht sich die Klasse, sollten möglichst mehr grobe Richtlinien, keinesfalls jedoch verbindliche Vorschriften sein.


Mit Engelszungen und zahlreichen Bemühungen ist es Herrn Krüger gelungen, seinen Schülern ein akzeptables Angebot zu unterbreiten, das  notgedrungen von ihnen akzeptiert wurde, allerdings ... hatte Herr Krüger die Rechnung da ohne die Eltern gemacht. In der Klasse von Herrn Krüger – es ist eine Abschlussklasse, die in Kürze die Schule verlassen wird – gab es nämlich Eltern, die es sich zum Lebensinhalt gemacht zu haben schienen, Herrn Krüger das Leben schwer zu machen. In einem Anflug von vermeintlicher Genialität hatten sie Ihre Kinder so erzogen (wenn überhaupt), dass man sich nichts bieten lassen muss, dass sie machen können, was sie wollen und dass nichts all dessen Folgen hat. Vielleicht haben sie das Ihren Kindern so nicht direkt eingebläut, sondern eher vorgelebt, denn man merkte seit Anbeginn in der 7. Klasse, dass gewisse befremdliche Verhaltensweisen zunahmen. Und so etwas konnte nur aus dem Elternhaus kommen. Zu diesem Schluss musste jedenfalls Herr Krüger kommen, wenn er analytisch an all die Erlebnisse dachte, die ihm so mit diesen Eltern widerfahren waren.


Dass ‚Bescheißen‘ mit zu besagtem Vorbildverhalten der Eltern gehörte, zeigte sich Herrn Krüger im Rahmen der weiteren Klassenfahrts-Vorbereitungen. Er schickte das übliche Regelwerk zu den notwendigen Verhaltensweisen der Sprösslinge sowie möglichen Konsequenzen bei Regelverstößen an die Eltern. Dabei war Herr Krüger davon ausgegangen, dass er es mit erwachsenen, korrekt und vorbildlich handelnden Eltern im Sinne ihres Kindes zu tun hatte. Weit gefehlt, denn nachdem Herr Krüger die zu unterzeichnende Einverständniserklärung im veränderbaren Word-Format rumgeschickt hatte, erhielt er prompt von Familie Pedanti eine Version zurück, die sich irgendwie komisch las. Zu lesen stand da u. a. „Regelverstöße können nicht dazu führen, dass ich auf eigene Kosten nach Hause geschickt werden kann“ oder „Das Ertrinken im Meer ist verboten.“ Herr Krüger glaubte, seinen Augen nicht zu trauen und verglich mit seinem Original. Dann wusste er nicht genau, ob er lachen oder sich aufregen sollte. Glücklicherweise gewann das laute Lachen, das aus seiner Kehle kam. Er dachte an die Tochter und ihm wurde einmal mehr klar, warum sie so war, wie sie war. Sie konnte ja gar nicht anders sein - bei solchen Vorbildern zu Hause. Dann fiel es Herrn Krüger wieder ein: Diese Eltern, erinnerte er sich, waren auch diejenigen, die eine Einverständniserklärung in der 7. Klasse nicht unterschrieben hatten, weil damals ein ‚e‘ in einem der Wörter fehlte.

Herr Krüger schüttelte fassungslos den Kopf und murmelte vor sich hin: „Himmel, lass es Weisheit regnen, besonders auf die Eltern!“

Montag, 5. Januar 2015

Wer ist hier der Arsch?

"Wer bin ich eigentlich", fragt sich Herr Krüger wieder einmal, als er am Korrigieren der letzten Lernerfolgskontrollen sitzt. Thema: Naher Osten. Hat er schon etliche Male unterrichtet, Verschiedenes ausprobiert und natürlich auch Tests - also Lernerfolgskontrollen - geschrieben. Aber jedes Mal schlägt er von Zeit zu Zeit (man könnte auch sagen von Test zu Test) die Hände über dem Kopf zusammen, weil die Schülerinnen und Schüler "immer dömmer" (kleines Zitat aus der Feuerzangenbowle, falls die ein Leser noch kennt) zu werden scheinen.
Natürlich gibt es in einem Test über den Nahen Osten auch Aufgaben zur Bewässerung, weil die da ja immer kein Wasser haben (Asterix würde sagen: "Niehammawassa" - noch'n Zitat) und dann ... natürlich, gibt es wieder einen Schüler, der ... "Arschimedische Schraube" schreibt. Ist das jetzt ein versteckter Angriff auf ihn, Herrn Krüger, oder mal wieder das Ergebnis einer Ahnungslosigkeit und dem mangelnden Bemühen, sich um irgendeine Rechtschreibung zu kümmern. Wer ist denn jetzt der Arsch? Die Schraube? Herr Krüger? Der Schüler selbst?

Zur Beruhigung aller Beteiligten sollte man sich vielleicht die Lösung als plausibelste bereitlegen, bei der derjenige, der die Archimedische Schraube im Nahen Osten bedienen und Wasser in ein höheres Niveau kurbeln muss, der 'Arsch' ist. Na dann: Kurbel dir mal einen ...

Dienstag, 16. September 2014

Imponiergehabe - ein Dauerbrenner

Herr Krüger ist nun wirklich nicht neu im Schulgeschäft und nein, es ist nichts Neues! Und dennoch steht es immer wieder auf seiner Tagesordnung: das Imponiergehabe. Nicht, dass Herr Krüger ein solches an den Tag legen müsste - nein, er kennt seinen Job und weiß, wer er ist - aber ertragen muss er es immer wieder!

So geschehen kürzlich in einer 10. Klasse. Herr Krüger hatte die Schule gewechselt, ist ein unbekanntes Gesicht für die Schülerschaft und damit natürlich eine willkommene Angriffsfläche, um sich an ihr zu reiben. So präsentierte sich nun also Pierre in seinen vermeintlich schillerndsten Farben (wie er glaubte), als er in einer Vertretungsstunde über fast jeden Satz von Herrn Krüger so laut lachte, dass die ganze Klasse sich zu ihm umdrehte. Schon das 'guten Morgen' kommentierte er gänzlich unreflektiert auf seine primitive Art. 
Super! Pierre bekommt die Aufmerksamkeit, die er sich gewünscht hat. Mal sehen, wie Herr Krüger reagiert, ob er ausrastet? Egal, Hauptsache seine Mitschüler und die Mädchen sehen, wie er mit seinen Fäusten auf seinen behaarten Oberkörper trommelt, alle (zumindest scheinbar) vor ihm ducken und zu ihm aufschauen, sich ihm unterordnen und ihre individuellen Reaktionen auf sein Imponiergehabe zeigen ... ach nein, das war ja bei den Affen eigentlich so, oder ...?
Verkehrte Welt - oder vielleicht auch nur ein Evolutionsbeweis aus der schulischen Alltagspraxis?

Herrn Krüger und diejenigen unter den Zehntklässlern, die schon verstanden haben, dass man sich besser innerlich entwickelt als äußerlich primitiv präsentieren sollte, rollten nur mit den Augen. Und bis der oben beschriebene 'Primat' ein gesellschaftliches und zivilisiertes Verhalten erlernt hat, wird wohl noch einige Zeit vergehen ...

Donnerstag, 15. Mai 2014

Schauspielschule?

Manchmal fragt sich Herr Krüger, ob er in seiner Bewerbung irgendetwas falsch geschrieben hat, ob er sich vielleicht ungewollt auf der Schauspielschule beworben hat. Wieso? Tagtäglich erlebt er ein Schauspiel und Schauspieler, die in immer neuen Rollen glänzen: Schülerinnen und Schüler.

Marie hat ihre Hausaufgaben nicht gemacht. Ihre stille Hoffnung war ja, dass Herr Krüger es vergisst oder nur stichprobenartig einsammelt, aber nein, er hat ALLE Arbeiten haben wollen - so ein Mist! Schnell überlegt sich Marie eine Ausrede und schleicht sich an Herrn Krüger ran, während die Arbeiten von Adil eingesammelt werden: "Herr Krüger ... ich konnte die Hausaufgaben nicht machen, wirklich nicht!" Marie guckt Herrn Krüger von unten devot mit ihren großen, in der Pubertät noch hübscher gewordenen Kulleraugen an. "Ich war gestern mit meiner Mutter unterwegs, sie hat mich direkt von der Schule abgeholt, weil wir zum 70. Geburtstag meines Opas waren und dann sind wir so spät nach Hause gekommen, dass sie gesagt hat, ich soll lieber ins Bett gehen. Sie können meine Mutter auch fragen, es war wirklich spät ..."

Ganz anders Marlon, der durchblickende, coole Checker: "Yow, Herr Krüger, isch weiß, dass wir Hausaufgaben aufhatten, aber isch hab die nisch verstanden, weil Sie haben gesagt .." Herr Krüger unterbricht: "... weil Sie gesagt haben ..." "Ja, genau, sag ich ja, weil Sie haben gesagt ..." "Marlon, Grammatik ..." "Is doch jetzt egal, Mann, isch hab die Hausaufgaben auf dem Schreibtisch liegen gelassen, escht, ich hab sie hundertprozentig gemacht!" Herr Krüger rollt mit den Augen ... 

Herr Krüger ärgert sich, denn er hätte mal gleich die verschiedenen Rollen notieren sollen, die Liste wäre heute ziemlich lang und vielfältig ...

Montag, 17. März 2014

Absolutismus 2014


Stundenbeginn. Die üblichen Verdächtigen kommen verspätet zum Unterricht, setzen sich ebenso gewohnt auf die falschen Plätze, auch Nadine. Sie hat heute mal ein Stück Kuchen aus der Cafeteria mitgebracht. Natürlich war sie dadurch zu spät gekommen, aber das manchen ja alle so. 

Grundsätzlich sind in Diskussionen mit Schülern immer ALLE anders als es ein Lehrer darstellt, es herrscht quasi ein demografischer Absolutismus der Einigkeit: „ALLE Lehrer lassen es durchgehen, wenn ich zwischendurch auf mein Handy gucke, nur Sie nicht“ oder „... ALLE haben gesagt, dass letzten Montag die 8. Stunde ausfällt, woher soll ich denn da wissen, dass das nicht stimmt? Und außerdem ... alle wussten das, warum machen Sie mich jetzt an?“ oder auch umgekehrt „KEIN Lehrer sagt was, wenn wir unser Essen mitbringen, nur Sie machen hier wieder so einen Aufstand.“
Herr Krüger schämt sich: „Oh, Nadine, das habe ich nicht gewusst, dann hab ich das wohl falsch verstanden. Ich dachte, das sind Arbeitstische in den Klassen, weil ich bisher nur runde Bistro-Tische gesehen habe. Aber dann ist das wohl mein Fehler, ich bitte vielmals um Entschuldigung, dass ich dich angesprochen habe. Wenn du möchtest, besorge ich dir noch schnell eine Kuchengabel aus dem Lehrerzimmer, ich glaube, da liegen noch welche. Warte kurz ..."
Herr Krüger verlässt den Klassenraum und kommt wirklich mit einer Kuchengabel zurück. „Hä?“ Nadine versteht die Welt nicht mehr. „Was soll denn der Scheiß jetzt? Sie können mich doch ganz normal essen lassen wie ALLE anderen auch ...!?“
„Hä? Wollen Sie mich verarschen?“ Nadine weiß nicht mehr ein noch aus und stellt die Frage zur allgemeinen Diskussion, da an Unterricht eh nicht zu denken ist, weil sie so einen Aufstand mit ihrer Kaffeetafel macht. Zwei, drei clevere Schüler – sie dürften als Schleimer oder Streber verrufen sein – erklären, sie sollte doch einfach ihren Kuchen einstecken. Nadine – bekannt durch ihren grundsätzlich zickigen Ton – blufft zurück: „Aber wohin denn? Was soll ich denn machen? Die pure Verzweiflung steht in ihren Augen geschrieben ...
Herr Krüger mischt sich wieder ein und sagt: „Aber nein, Nadine, mach dir keine Sorgen! Iss ganz in Ruhe und ihr anderen, stört sie nicht, wir sind hier schließlich zum Kuchenessen, nicht? Wofür auch sonst! 
Und vergesst nicht: ALLE machen das so!“

Freitag, 24. Januar 2014

Die 1002. Handygeschichte

Es geschieht nun schon eine ganze Weile, dass Herr Krüger Handys einzieht und den Zorn der Schülerinnen und Schüler ertet, wenn er zusieht, wie ungeschickt diese Halbstarken auf ihren Lebensmittelpunkt schielen, während sie glauben, dass es keiner merkt. 
Das geht so Tag ein Tag aus: Handy aus der eigenen Tasche - Handy in die Lehrertasche, SIM-Karte raus, SIM-Karte rein, Vernunft vermeintlich rein in den Kopf - Vernunft merkbar raus aus dem Kopf. Schüler freundlich vor dem Bittgespräch mit dem Lehrer am Lehrerzimmer - Schüler unfreundlich nach dem erfolglosen Gespräch mit dem Lehrer am Lehrerzimmer.

Doch stop! - Das war neu!

Marco hatte sich im Unterricht schlichtweg geweigert, sein Telefon rauszugeben, nicht nur Minuten später, auch noch Stunden, sogar Tage später. Alles Betteln und Flehen, nicht einmal Drohen von Seiten Herrn Kürgers hatte geholfen. Marco ist stur wie ein Esel. Herr Krüger droht das ganz große Maßnahmenpaket an. Und, wie Esel nunmal so sind - stur, uneinsichtig und dumm - wählt Marco die Variante II: das ganz große Maßnahmenpaket. Dies hat Herr Krüger nun richtig voll gepackt: Extra-Arbeiten, Nachsitzen und und und. Aufgabe eins funktioniert, wenn auch natürlich voller Fehler und Defizite. Woher sollte es auch kommen. Aufgabe zwei wird schon gar nicht mehr abgeliefert, Aufgabe drei irgendwie auf den Zettel gerotzt und Aufgabe vier ... nie gesehen. 
Dennoch scheint das Paket eine gewisse Wirkung zu zeigen oder doch nicht? Nach der dritten Aufgabe nämlich kommt der kleine störrische Marco an und schlägt einen Deal vor: 

Er holt ein Handy aus der Tasche, will damit Einsicht simulieren und so das lästige Maßnahmenpaket loswerden. Nur - Herr Krüger ist mit allen Wassern gewaschen, die Rechnung geht nicht auf, denn er verlangt, dass Marco das Handy erst einmal anschaltet, bevor er es abgibt ... Die Antwort von Marco war dünn - sehr dünn. "Ähm, nein, das geht nicht, der Akku ist gerade alle, aber ich gebe ihnen das Handy ja jetzt ..." Es gibt nicht viel drumherum zu reden, Marco hat's natürlich verbaselt. Herr Krüger durchschaut ihn binnen Sekunden und erkennt, dass Marco sich mit einem falschen Handy freikaufen wollte. 

Mensch, Kids, seufzt Herr Krüger, denkt euch doch endlich mal was aus, was überzeugt, dann könnte ich auch mal was dazulernen und vielleicht sogar darüber heimlich grinsen. Aber so ...

Dienstag, 26. November 2013

Wenn die Hosen auf Halbmast stehen

Anton hat wirklich alles versucht! Er ist klein, o-beinig, unauffällig ... das ist schon alles schlimm genug, aber dann auch noch Leistung bringen? Wie mühselig. 

Anton hat sich deshalb überlegt, möglichst unauffällig durch den Schulalltag zu rutschen. Dafür ist es natürlich praktisch, dass er so klein ist. Zudem fällt er selten durch hektische Armbewegungen auf, weil seine Hände quasi 23 Stunden am Tag in den Hosentaschen festgewachsen zu sein scheinen. Ob er sitzt, ob er steht, ob er etwas präsentiert ... seine Hände findet man in seinen beiden Hosentaschen. Manchmal wird es dabei dann schon schwierig, die üblichen Alltagsbewegungen, bei denen die Hände unabdingbar sind, in der einen Stunde unterzukriegen. Zum Glück ist seine Tante auf die verrückte Idee gekommen, ihm eine Schlafanzughose mit Hosentaschen zu nähen. Eigentlich findet Anton die Idee gar nicht so verrückt, irgendwie praktisch, dass er dadurch auch nachts die Hände dort verstecken kann. Nur - diese Schlafanzughose darf niemand sehen, Tante Regine hat nämlich ärgerlicherweise so einen geblümten Stoff für die Aufnäher benutzt, OmG (Oh, mein Gott [für Ahnungslose, die des Subdeutschen nicht mächtig sind]), na ja, es darf halt nie jemand sehen ... 

Aber zurück zur Unauffälligkeit. Also, Anton hat sich vorgenommen, nicht aufzufallen. Das gelingt ihm auch in den meisten Fächern und Situationen. Leider aber war er nicht clever genug, den Putzdienst zu erledigen - und das fiel auf: Minuspunkt!

Und - er hatte sich so schön gedacht, nicht aufzufallen, wenn er einfach während der Mittagspause das Gelände verlässt und sich was zu Essen an der Bude am Bahnhof holt. Doch - wieder dumm gelaufen, denn er wurde gesehen! Natürlich ist sein Klassenlehrer Herr Krüger wieder über alles informiert und spricht ihn an - wie nervig. Na ja, mal sehen, was der Krüger zu sagen hat. Anton hört sich das eine Weile an, erklärt Herrn Krüger dann noch, dass es eigentlich positiv war, etwas zu Essen zu kaufen, weil er sich so - mit vollem Magen - besser konzentrieren könne ... von wegen!? Anton lässt eine Weile Herrn Krüger reden, bis er beschließt, einfach zu gehen. "Herr Krüger redet noch? Egal - ich geh einfach", denkt er sich, schiebt die Hände, die er für das Gespräch überflüssigerweise aus den Hosentaschen nehmen musste, wieder tief in selbige und verzieht sich in seine Ecke. Ach so: "Herr Krüger, ist ja gut jetzt, ich hab keine Lust mehr auf ihr Gelaber ..."

SCHEISSE - Nachsitzen!

Montag, 25. November 2013

Spielball

Herr Krüger ist ja nun wirklich ein leidgeprüfter Mann. Als Klassenlehrer zählt er sich auch nach drei Jahren Erfahrung mit seiner Klasse immer noch nicht zu den Bauern, die nach dieser langen Zeit der Bemühungen, Strapazen und Unzulänglichkeiten dann letztlich doch irgendwann einmal Früchte ernten können - leider. 

Er hat gekämpft, sich um Transparenz, Fairness und Entgegenkommen bemüht, aber nein. Gnadenlos sträuben sich die Schülerinnen und Schüler gegen jedwede seiner Bemühungen. Eigentlich ist es noch mehr. Nicht nur, dass die Schüler sich nicht an seine Anordnungen halten, immer häufiger und immer mehr Schülerinnen und Schüler erklären ihm, wie er es richtig macht, welche Optionen er noch hat. Sie verbessern ihn, weisen auf jeden seiner Fehler hin, sei es pädagogischer Art, wenn er doch problemlos die Schüler hätte nach Hause gehen lassen können, oder auch in Sachen Orthografie oder Interpunktion. Er wird hin- und hergeschubst wie ein Spielball, das Blaue wird vom Himmel runtergelogen, Hauptsache, die Kids bekommen ihren Willen, ihr Handy oder ihre Freizeit.

Mittlerweile ist es so weit, dass Nadine, die definitiv in der obersten Liga der Nachwuchsdiven ("Diven" ist übrigens die Mehrzahl von "Diva", dem italienischen Wort für "Göttin") rumzickt, Herrn Krüger nicht nur mit hasserfüllten Blicken straft, sondern ihm auch noch vorwurfsvoll eine Szene macht, wie er es wagen könne, eine angekündigte Klassenarbeit zu schreiben, während die Schülerinnen und Schüler der Parallelklassen wegen eines kurzfristigen Termins bereits früher Schulschluss haben. Geschieht solch eine Situation, ist die Stunde für Diva Nadine eigentlich gelaufen. Sie macht fortan ihre eigenen Regeln, setzt sich selbstständig um, sucht sich selbstständig ihre Aufgaben - ungeachtet der Anordnungen von Herrn Krüger.

Als die Stunde endlich vorbei ist und die Strafe, etwas lernen zu dürfen, vorbei ist, bleibt das Bild einer mittleren Verwüstung zurück. Für Sauberkeit fühlt sich sowieso kein Schüler zuständig, die benutzten Stühle bleiben da stehen, wo man aufgestanden oder auch mal ein Stuhl umgefallen ist und Arbeitsblätter ... wer braucht schon Arbeitsblätter. Also: runter damit auf den Fußboden, irgendein Depp wird sie schon aufheben ...