Montag, 19. Januar 2015

Eltern als Vorbilder? - Lieber nicht!

Herr Krüger wollte eine Klassenfahrt machen. Nein, er wollte eigentlich gar nicht, wurde aber von seiner Klasse unter Druck gesetzt, weil „alle eine Klassenfahrt machen“. Und was „alle“ machen, muss die 10.4 das natürlich auch tun. Überhaupt machen Schüler grundsätzlich alles, was alle machen! Ins Ausland soll es gehen, am besten fast nichts kosten, viel Freizeit soll es geben und wenn irgend möglich keine Regeln, maximal drei vielleicht, aber auch diese, so wünscht sich die Klasse, sollten möglichst mehr grobe Richtlinien, keinesfalls jedoch verbindliche Vorschriften sein.


Mit Engelszungen und zahlreichen Bemühungen ist es Herrn Krüger gelungen, seinen Schülern ein akzeptables Angebot zu unterbreiten, das  notgedrungen von ihnen akzeptiert wurde, allerdings ... hatte Herr Krüger die Rechnung da ohne die Eltern gemacht. In der Klasse von Herrn Krüger – es ist eine Abschlussklasse, die in Kürze die Schule verlassen wird – gab es nämlich Eltern, die es sich zum Lebensinhalt gemacht zu haben schienen, Herrn Krüger das Leben schwer zu machen. In einem Anflug von vermeintlicher Genialität hatten sie Ihre Kinder so erzogen (wenn überhaupt), dass man sich nichts bieten lassen muss, dass sie machen können, was sie wollen und dass nichts all dessen Folgen hat. Vielleicht haben sie das Ihren Kindern so nicht direkt eingebläut, sondern eher vorgelebt, denn man merkte seit Anbeginn in der 7. Klasse, dass gewisse befremdliche Verhaltensweisen zunahmen. Und so etwas konnte nur aus dem Elternhaus kommen. Zu diesem Schluss musste jedenfalls Herr Krüger kommen, wenn er analytisch an all die Erlebnisse dachte, die ihm so mit diesen Eltern widerfahren waren.


Dass ‚Bescheißen‘ mit zu besagtem Vorbildverhalten der Eltern gehörte, zeigte sich Herrn Krüger im Rahmen der weiteren Klassenfahrts-Vorbereitungen. Er schickte das übliche Regelwerk zu den notwendigen Verhaltensweisen der Sprösslinge sowie möglichen Konsequenzen bei Regelverstößen an die Eltern. Dabei war Herr Krüger davon ausgegangen, dass er es mit erwachsenen, korrekt und vorbildlich handelnden Eltern im Sinne ihres Kindes zu tun hatte. Weit gefehlt, denn nachdem Herr Krüger die zu unterzeichnende Einverständniserklärung im veränderbaren Word-Format rumgeschickt hatte, erhielt er prompt von Familie Pedanti eine Version zurück, die sich irgendwie komisch las. Zu lesen stand da u. a. „Regelverstöße können nicht dazu führen, dass ich auf eigene Kosten nach Hause geschickt werden kann“ oder „Das Ertrinken im Meer ist verboten.“ Herr Krüger glaubte, seinen Augen nicht zu trauen und verglich mit seinem Original. Dann wusste er nicht genau, ob er lachen oder sich aufregen sollte. Glücklicherweise gewann das laute Lachen, das aus seiner Kehle kam. Er dachte an die Tochter und ihm wurde einmal mehr klar, warum sie so war, wie sie war. Sie konnte ja gar nicht anders sein - bei solchen Vorbildern zu Hause. Dann fiel es Herrn Krüger wieder ein: Diese Eltern, erinnerte er sich, waren auch diejenigen, die eine Einverständniserklärung in der 7. Klasse nicht unterschrieben hatten, weil damals ein ‚e‘ in einem der Wörter fehlte.

Herr Krüger schüttelte fassungslos den Kopf und murmelte vor sich hin: „Himmel, lass es Weisheit regnen, besonders auf die Eltern!“

Montag, 5. Januar 2015

Wer ist hier der Arsch?

"Wer bin ich eigentlich", fragt sich Herr Krüger wieder einmal, als er am Korrigieren der letzten Lernerfolgskontrollen sitzt. Thema: Naher Osten. Hat er schon etliche Male unterrichtet, Verschiedenes ausprobiert und natürlich auch Tests - also Lernerfolgskontrollen - geschrieben. Aber jedes Mal schlägt er von Zeit zu Zeit (man könnte auch sagen von Test zu Test) die Hände über dem Kopf zusammen, weil die Schülerinnen und Schüler "immer dömmer" (kleines Zitat aus der Feuerzangenbowle, falls die ein Leser noch kennt) zu werden scheinen.
Natürlich gibt es in einem Test über den Nahen Osten auch Aufgaben zur Bewässerung, weil die da ja immer kein Wasser haben (Asterix würde sagen: "Niehammawassa" - noch'n Zitat) und dann ... natürlich, gibt es wieder einen Schüler, der ... "Arschimedische Schraube" schreibt. Ist das jetzt ein versteckter Angriff auf ihn, Herrn Krüger, oder mal wieder das Ergebnis einer Ahnungslosigkeit und dem mangelnden Bemühen, sich um irgendeine Rechtschreibung zu kümmern. Wer ist denn jetzt der Arsch? Die Schraube? Herr Krüger? Der Schüler selbst?

Zur Beruhigung aller Beteiligten sollte man sich vielleicht die Lösung als plausibelste bereitlegen, bei der derjenige, der die Archimedische Schraube im Nahen Osten bedienen und Wasser in ein höheres Niveau kurbeln muss, der 'Arsch' ist. Na dann: Kurbel dir mal einen ...

Dienstag, 16. September 2014

Imponiergehabe - ein Dauerbrenner

Herr Krüger ist nun wirklich nicht neu im Schulgeschäft und nein, es ist nichts Neues! Und dennoch steht es immer wieder auf seiner Tagesordnung: das Imponiergehabe. Nicht, dass Herr Krüger ein solches an den Tag legen müsste - nein, er kennt seinen Job und weiß, wer er ist - aber ertragen muss er es immer wieder!

So geschehen kürzlich in einer 10. Klasse. Herr Krüger hatte die Schule gewechselt, ist ein unbekanntes Gesicht für die Schülerschaft und damit natürlich eine willkommene Angriffsfläche, um sich an ihr zu reiben. So präsentierte sich nun also Pierre in seinen vermeintlich schillerndsten Farben (wie er glaubte), als er in einer Vertretungsstunde über fast jeden Satz von Herrn Krüger so laut lachte, dass die ganze Klasse sich zu ihm umdrehte. Schon das 'guten Morgen' kommentierte er gänzlich unreflektiert auf seine primitive Art. 
Super! Pierre bekommt die Aufmerksamkeit, die er sich gewünscht hat. Mal sehen, wie Herr Krüger reagiert, ob er ausrastet? Egal, Hauptsache seine Mitschüler und die Mädchen sehen, wie er mit seinen Fäusten auf seinen behaarten Oberkörper trommelt, alle (zumindest scheinbar) vor ihm ducken und zu ihm aufschauen, sich ihm unterordnen und ihre individuellen Reaktionen auf sein Imponiergehabe zeigen ... ach nein, das war ja bei den Affen eigentlich so, oder ...?
Verkehrte Welt - oder vielleicht auch nur ein Evolutionsbeweis aus der schulischen Alltagspraxis?

Herrn Krüger und diejenigen unter den Zehntklässlern, die schon verstanden haben, dass man sich besser innerlich entwickelt als äußerlich primitiv präsentieren sollte, rollten nur mit den Augen. Und bis der oben beschriebene 'Primat' ein gesellschaftliches und zivilisiertes Verhalten erlernt hat, wird wohl noch einige Zeit vergehen ...

Donnerstag, 15. Mai 2014

Schauspielschule?

Manchmal fragt sich Herr Krüger, ob er in seiner Bewerbung irgendetwas falsch geschrieben hat, ob er sich vielleicht ungewollt auf der Schauspielschule beworben hat. Wieso? Tagtäglich erlebt er ein Schauspiel und Schauspieler, die in immer neuen Rollen glänzen: Schülerinnen und Schüler.

Marie hat ihre Hausaufgaben nicht gemacht. Ihre stille Hoffnung war ja, dass Herr Krüger es vergisst oder nur stichprobenartig einsammelt, aber nein, er hat ALLE Arbeiten haben wollen - so ein Mist! Schnell überlegt sich Marie eine Ausrede und schleicht sich an Herrn Krüger ran, während die Arbeiten von Adil eingesammelt werden: "Herr Krüger ... ich konnte die Hausaufgaben nicht machen, wirklich nicht!" Marie guckt Herrn Krüger von unten devot mit ihren großen, in der Pubertät noch hübscher gewordenen Kulleraugen an. "Ich war gestern mit meiner Mutter unterwegs, sie hat mich direkt von der Schule abgeholt, weil wir zum 70. Geburtstag meines Opas waren und dann sind wir so spät nach Hause gekommen, dass sie gesagt hat, ich soll lieber ins Bett gehen. Sie können meine Mutter auch fragen, es war wirklich spät ..."

Ganz anders Marlon, der durchblickende, coole Checker: "Yow, Herr Krüger, isch weiß, dass wir Hausaufgaben aufhatten, aber isch hab die nisch verstanden, weil Sie haben gesagt .." Herr Krüger unterbricht: "... weil Sie gesagt haben ..." "Ja, genau, sag ich ja, weil Sie haben gesagt ..." "Marlon, Grammatik ..." "Is doch jetzt egal, Mann, isch hab die Hausaufgaben auf dem Schreibtisch liegen gelassen, escht, ich hab sie hundertprozentig gemacht!" Herr Krüger rollt mit den Augen ... 

Herr Krüger ärgert sich, denn er hätte mal gleich die verschiedenen Rollen notieren sollen, die Liste wäre heute ziemlich lang und vielfältig ...

Montag, 17. März 2014

Absolutismus 2014


Stundenbeginn. Die üblichen Verdächtigen kommen verspätet zum Unterricht, setzen sich ebenso gewohnt auf die falschen Plätze, auch Nadine. Sie hat heute mal ein Stück Kuchen aus der Cafeteria mitgebracht. Natürlich war sie dadurch zu spät gekommen, aber das manchen ja alle so. 

Grundsätzlich sind in Diskussionen mit Schülern immer ALLE anders als es ein Lehrer darstellt, es herrscht quasi ein demografischer Absolutismus der Einigkeit: „ALLE Lehrer lassen es durchgehen, wenn ich zwischendurch auf mein Handy gucke, nur Sie nicht“ oder „... ALLE haben gesagt, dass letzten Montag die 8. Stunde ausfällt, woher soll ich denn da wissen, dass das nicht stimmt? Und außerdem ... alle wussten das, warum machen Sie mich jetzt an?“ oder auch umgekehrt „KEIN Lehrer sagt was, wenn wir unser Essen mitbringen, nur Sie machen hier wieder so einen Aufstand.“
Herr Krüger schämt sich: „Oh, Nadine, das habe ich nicht gewusst, dann hab ich das wohl falsch verstanden. Ich dachte, das sind Arbeitstische in den Klassen, weil ich bisher nur runde Bistro-Tische gesehen habe. Aber dann ist das wohl mein Fehler, ich bitte vielmals um Entschuldigung, dass ich dich angesprochen habe. Wenn du möchtest, besorge ich dir noch schnell eine Kuchengabel aus dem Lehrerzimmer, ich glaube, da liegen noch welche. Warte kurz ..."
Herr Krüger verlässt den Klassenraum und kommt wirklich mit einer Kuchengabel zurück. „Hä?“ Nadine versteht die Welt nicht mehr. „Was soll denn der Scheiß jetzt? Sie können mich doch ganz normal essen lassen wie ALLE anderen auch ...!?“
„Hä? Wollen Sie mich verarschen?“ Nadine weiß nicht mehr ein noch aus und stellt die Frage zur allgemeinen Diskussion, da an Unterricht eh nicht zu denken ist, weil sie so einen Aufstand mit ihrer Kaffeetafel macht. Zwei, drei clevere Schüler – sie dürften als Schleimer oder Streber verrufen sein – erklären, sie sollte doch einfach ihren Kuchen einstecken. Nadine – bekannt durch ihren grundsätzlich zickigen Ton – blufft zurück: „Aber wohin denn? Was soll ich denn machen? Die pure Verzweiflung steht in ihren Augen geschrieben ...
Herr Krüger mischt sich wieder ein und sagt: „Aber nein, Nadine, mach dir keine Sorgen! Iss ganz in Ruhe und ihr anderen, stört sie nicht, wir sind hier schließlich zum Kuchenessen, nicht? Wofür auch sonst! 
Und vergesst nicht: ALLE machen das so!“

Freitag, 24. Januar 2014

Die 1002. Handygeschichte

Es geschieht nun schon eine ganze Weile, dass Herr Krüger Handys einzieht und den Zorn der Schülerinnen und Schüler ertet, wenn er zusieht, wie ungeschickt diese Halbstarken auf ihren Lebensmittelpunkt schielen, während sie glauben, dass es keiner merkt. 
Das geht so Tag ein Tag aus: Handy aus der eigenen Tasche - Handy in die Lehrertasche, SIM-Karte raus, SIM-Karte rein, Vernunft vermeintlich rein in den Kopf - Vernunft merkbar raus aus dem Kopf. Schüler freundlich vor dem Bittgespräch mit dem Lehrer am Lehrerzimmer - Schüler unfreundlich nach dem erfolglosen Gespräch mit dem Lehrer am Lehrerzimmer.

Doch stop! - Das war neu!

Marco hatte sich im Unterricht schlichtweg geweigert, sein Telefon rauszugeben, nicht nur Minuten später, auch noch Stunden, sogar Tage später. Alles Betteln und Flehen, nicht einmal Drohen von Seiten Herrn Kürgers hatte geholfen. Marco ist stur wie ein Esel. Herr Krüger droht das ganz große Maßnahmenpaket an. Und, wie Esel nunmal so sind - stur, uneinsichtig und dumm - wählt Marco die Variante II: das ganz große Maßnahmenpaket. Dies hat Herr Krüger nun richtig voll gepackt: Extra-Arbeiten, Nachsitzen und und und. Aufgabe eins funktioniert, wenn auch natürlich voller Fehler und Defizite. Woher sollte es auch kommen. Aufgabe zwei wird schon gar nicht mehr abgeliefert, Aufgabe drei irgendwie auf den Zettel gerotzt und Aufgabe vier ... nie gesehen. 
Dennoch scheint das Paket eine gewisse Wirkung zu zeigen oder doch nicht? Nach der dritten Aufgabe nämlich kommt der kleine störrische Marco an und schlägt einen Deal vor: 

Er holt ein Handy aus der Tasche, will damit Einsicht simulieren und so das lästige Maßnahmenpaket loswerden. Nur - Herr Krüger ist mit allen Wassern gewaschen, die Rechnung geht nicht auf, denn er verlangt, dass Marco das Handy erst einmal anschaltet, bevor er es abgibt ... Die Antwort von Marco war dünn - sehr dünn. "Ähm, nein, das geht nicht, der Akku ist gerade alle, aber ich gebe ihnen das Handy ja jetzt ..." Es gibt nicht viel drumherum zu reden, Marco hat's natürlich verbaselt. Herr Krüger durchschaut ihn binnen Sekunden und erkennt, dass Marco sich mit einem falschen Handy freikaufen wollte. 

Mensch, Kids, seufzt Herr Krüger, denkt euch doch endlich mal was aus, was überzeugt, dann könnte ich auch mal was dazulernen und vielleicht sogar darüber heimlich grinsen. Aber so ...

Dienstag, 26. November 2013

Wenn die Hosen auf Halbmast stehen

Anton hat wirklich alles versucht! Er ist klein, o-beinig, unauffällig ... das ist schon alles schlimm genug, aber dann auch noch Leistung bringen? Wie mühselig. 

Anton hat sich deshalb überlegt, möglichst unauffällig durch den Schulalltag zu rutschen. Dafür ist es natürlich praktisch, dass er so klein ist. Zudem fällt er selten durch hektische Armbewegungen auf, weil seine Hände quasi 23 Stunden am Tag in den Hosentaschen festgewachsen zu sein scheinen. Ob er sitzt, ob er steht, ob er etwas präsentiert ... seine Hände findet man in seinen beiden Hosentaschen. Manchmal wird es dabei dann schon schwierig, die üblichen Alltagsbewegungen, bei denen die Hände unabdingbar sind, in der einen Stunde unterzukriegen. Zum Glück ist seine Tante auf die verrückte Idee gekommen, ihm eine Schlafanzughose mit Hosentaschen zu nähen. Eigentlich findet Anton die Idee gar nicht so verrückt, irgendwie praktisch, dass er dadurch auch nachts die Hände dort verstecken kann. Nur - diese Schlafanzughose darf niemand sehen, Tante Regine hat nämlich ärgerlicherweise so einen geblümten Stoff für die Aufnäher benutzt, OmG (Oh, mein Gott [für Ahnungslose, die des Subdeutschen nicht mächtig sind]), na ja, es darf halt nie jemand sehen ... 

Aber zurück zur Unauffälligkeit. Also, Anton hat sich vorgenommen, nicht aufzufallen. Das gelingt ihm auch in den meisten Fächern und Situationen. Leider aber war er nicht clever genug, den Putzdienst zu erledigen - und das fiel auf: Minuspunkt!

Und - er hatte sich so schön gedacht, nicht aufzufallen, wenn er einfach während der Mittagspause das Gelände verlässt und sich was zu Essen an der Bude am Bahnhof holt. Doch - wieder dumm gelaufen, denn er wurde gesehen! Natürlich ist sein Klassenlehrer Herr Krüger wieder über alles informiert und spricht ihn an - wie nervig. Na ja, mal sehen, was der Krüger zu sagen hat. Anton hört sich das eine Weile an, erklärt Herrn Krüger dann noch, dass es eigentlich positiv war, etwas zu Essen zu kaufen, weil er sich so - mit vollem Magen - besser konzentrieren könne ... von wegen!? Anton lässt eine Weile Herrn Krüger reden, bis er beschließt, einfach zu gehen. "Herr Krüger redet noch? Egal - ich geh einfach", denkt er sich, schiebt die Hände, die er für das Gespräch überflüssigerweise aus den Hosentaschen nehmen musste, wieder tief in selbige und verzieht sich in seine Ecke. Ach so: "Herr Krüger, ist ja gut jetzt, ich hab keine Lust mehr auf ihr Gelaber ..."

SCHEISSE - Nachsitzen!

Montag, 25. November 2013

Spielball

Herr Krüger ist ja nun wirklich ein leidgeprüfter Mann. Als Klassenlehrer zählt er sich auch nach drei Jahren Erfahrung mit seiner Klasse immer noch nicht zu den Bauern, die nach dieser langen Zeit der Bemühungen, Strapazen und Unzulänglichkeiten dann letztlich doch irgendwann einmal Früchte ernten können - leider. 

Er hat gekämpft, sich um Transparenz, Fairness und Entgegenkommen bemüht, aber nein. Gnadenlos sträuben sich die Schülerinnen und Schüler gegen jedwede seiner Bemühungen. Eigentlich ist es noch mehr. Nicht nur, dass die Schüler sich nicht an seine Anordnungen halten, immer häufiger und immer mehr Schülerinnen und Schüler erklären ihm, wie er es richtig macht, welche Optionen er noch hat. Sie verbessern ihn, weisen auf jeden seiner Fehler hin, sei es pädagogischer Art, wenn er doch problemlos die Schüler hätte nach Hause gehen lassen können, oder auch in Sachen Orthografie oder Interpunktion. Er wird hin- und hergeschubst wie ein Spielball, das Blaue wird vom Himmel runtergelogen, Hauptsache, die Kids bekommen ihren Willen, ihr Handy oder ihre Freizeit.

Mittlerweile ist es so weit, dass Nadine, die definitiv in der obersten Liga der Nachwuchsdiven ("Diven" ist übrigens die Mehrzahl von "Diva", dem italienischen Wort für "Göttin") rumzickt, Herrn Krüger nicht nur mit hasserfüllten Blicken straft, sondern ihm auch noch vorwurfsvoll eine Szene macht, wie er es wagen könne, eine angekündigte Klassenarbeit zu schreiben, während die Schülerinnen und Schüler der Parallelklassen wegen eines kurzfristigen Termins bereits früher Schulschluss haben. Geschieht solch eine Situation, ist die Stunde für Diva Nadine eigentlich gelaufen. Sie macht fortan ihre eigenen Regeln, setzt sich selbstständig um, sucht sich selbstständig ihre Aufgaben - ungeachtet der Anordnungen von Herrn Krüger.

Als die Stunde endlich vorbei ist und die Strafe, etwas lernen zu dürfen, vorbei ist, bleibt das Bild einer mittleren Verwüstung zurück. Für Sauberkeit fühlt sich sowieso kein Schüler zuständig, die benutzten Stühle bleiben da stehen, wo man aufgestanden oder auch mal ein Stuhl umgefallen ist und Arbeitsblätter ... wer braucht schon Arbeitsblätter. Also: runter damit auf den Fußboden, irgendein Depp wird sie schon aufheben ...

Dienstag, 22. Oktober 2013

Da war doch noch was von 'nem Apfelbaum ...

Jederzeit ist Narrenzeit, hat Clara beschlossen. Herr Krüger hat von Claras Einstellung leider schon diverse Kostproben bekommen. Clara macht gerne nur das, wozu sie gerade Lust hat. Alles andere ist ihr egal. Lehrer - für mich doch kein Problem, protzt sie daher. Sie doch nicht!?

Als neues Spiel hat sie sich daher überlegt, Herrn Krüger zu provozieren, so oft sie kann. Ausreden erfinden konnte sie schon immer gut, auch für nicht mitgebrachtes Material. Sie hat eine Überzeugungskraft, dass sie selbst manchmal staunt. Auch ihren Eltern gaukelt sie regelmäßig was vor, schauspielt wunderbar den kleinen verletzlichen Teenager. Dass sie mit ihrem Verhalten ohne Rücksicht auf Verluste regelmäßig die Leute verscheißert, findet sie gut so.

Herr Krüger hat natürlich eine andere Sicht auf die Dinge und kann nur immer wieder den Kopf schütteln. Appropos schütteln: Hier hat wohl jemand vergessen, den Baum zu schütteln, denn es scheint, als seien in Herrn Krügers Klasse die Äpfel nicht nur dich am Stamm gefallen, nein, sie scheinen noch am Baum zu hängen. 
Warum? Ganz einfach. Herr Krüger scheint die doppelte bis dreifache Anzahl an Schülerinnen und Schülern erziehen zu müssen. Zu Hause passiert das nur noch selten, zumal es doch viel leichter ist, das auf die Schule abzuwälzen und nur dann aktiv zu werden, wenn die dann so erziehen, wie es den Eltern gerade nicht gefällt. Hey ... Eltern, die waren doch auch mal in der Schule, die können doch mitreden. Die eigene Schulzeit vor 'zig Jahren erlebt zu haben, ist doch eigentlich genauso gut wie ein mehrjähriges Studium und zwei Staatsexamina. Konflikte sind da an der Tagesordnung und so hat sich der Lehrerjob hat verändert, er hat jetzt 30 Schülerinnen und Schüler und die je nach Scheidungsquote und Mitmisch-Interesse noch jeweils 60 einzelne oder eben doch noch verbandelte Eltern zu verarzten, zu beraten oder eben auch zu erziehen, ist ja schließlich Schulauftrag, die Erziehung. 

Oder ist Elternerziehung eine Überinterpretation der Lehrer? Haben die Lehrer vielleicht nur verpasst, sich an Entschuldigungen auf Post-it's anzupassen? Sehen sie es zu eng, wenn ihre Kinder mit Hotpants in die Schule kommen, die mehr zeigen als sie verbergen? Ist es nicht heute an der Tagesordnung und im Sinne der Gleichberechtigung nur fair, wenn die Jugendlichen die Lehrer anmachen, ihnen drohen oder zum Boykott gegen sie aufrufen? Clara findet das jedenfalls nicht so schlimm. Lehrer sind doch ein wunderbarer Puffer zu dem Stress, den Clara sowieso schon den ganzen Tag hat. Und insofern ... meine Eltern kann ich alles verkaufen, also: Es lebe die Dauerprovokation!

Verkehrte Welt

"Wie ist das eigentlich, wenn ich mal nicht mit einem Lehrer zufrieden bin", fragt sich Marco. Herr Schmidt-Hofer hat ihm noch nie sonderlich gefallen. Schon die Frisur ist voll scheiße - total altmodisch, findet Marco. Außerdem will der ständig was von mir. "Mach dies, mach das ... " macht der mich immer von der Seite an und wenn ich das aber nicht mache, weil ich keine Lust drauf hab, schreit der mich gleich an. Na gut, ich mach nie etwas, wenn ich keinen Sinn darin sehe, aber dann muss der doch nicht gleich so laut schreien ... Besserwisser!?!!

Letzte Woche war das wieder so, dass der mir so auf die Nerven gegangen ist. Und als der mich angegangen hat, hab ich natürlich zurückgemotzt ... wollte ich jedenfalls, aber der hat mich irgendwie nicht gelassen.

Aber, ich bin ja nicht dumm. Ich hab mir einfach das Klassenbuch genommen und den Spieß umgedreht. ICH habe IHN eingetragen. Ganz frech, einfach unten zu den Bemerkungen, wo wir sonst immer eingetragen werden. Da kann er mal sehen, ob er jetzt immer noch so cool ist. 

Mist! Ich glaub, da kommt noch was nach, ich hab sowas durchsickern hören, da werd' ich wohl noch was auf den Deckel bekommen, weil das Klassenbuch ja nun wirklich tabu für uns ist ...